Ines Papert

Schottland Roadtrip

Erstbegehungen am Ben Nevis und in den Cairngorms

Während eines 8-tägigen Roadtrips durch Schottland, realisierten Ines Papert (Deutschland) and Charly Fritzer (Österreich) mit „Triple X“ und „Bavarinthia“ schwierige Erstbegehungen am Ben Nevis und am Coire an Lochain in den Cairngorms. Darüber hinaus gelangen Wiederholungen namhafter Routen.

Hans Hornberger
Foto: Hans Hornberger

Nach ihrer Feuertaufe im letzten Jahr, machte sich die deutsche Alpinistin Ines Papert erneut auf die Suche nach spannenden Winter-Climbs und reiste Ende Januar in Begleitung von Charly Fritzer (AT) und dem Fotografen Hans Hornberger in die schottischen Highlands.

Anders als im letzten Jahr – mit anhaltendem Schönwetter – machten starke Stürme, Regen und Schneefälle das diesjährige Vorhaben zu einem echten Abenteuer. Die Tatsache, dass in Schottland viele Routen ohne Einsatz von Bohrhaken geklettert werden, machte das Projekt für Ines Papert noch reizvoller: „Meine Erlebnisse in Schottland haben meine Einstellung zum Klettern im bohrhakenfreien Stil nachhaltig beeinflusst. Ich werde meinen Fokus mehr und mehr auf das Klettern in diesem traditionellen Stil richten. Nicht nur in den Alpen, auch an den großen Bergen der Welt, reizt mich dieser saubere Stil beim Klettern, den wir beispielsweise auch an unserer Route am Mount Kyzyl Asker in Kirgistan angewendet haben.“

Happy Tyroleans IX/10
Foto: Hans Hornberger

Erinnerungen an Schottland Klettern in Schottland ist einzigartig. Die mystische Stimmung in den Highlands hat mich bei meinem ersten Besuch bereits fasziniert. Ich wollte an meine Erfahrungen vom letzten Jahr anknüpfen und mich an Routen in höchsten Schwierigkeitsgraden versuchen. Die ausgeprägte Ethik der schottischen Kletterer und der große Respekt vor traditionellen Routen haben sich stark in meine Erinnerung eingeprägt. Mentale Stärke ist die Basis, um in Schottland verletzungsfrei und erfolgreich zu klettern. Ich spürte, dass ich für eine weitere Reise dorthin bereit war. Erster und einziger Rückschlag: Während ich bereits am Packen war, sagte mir mein Kletterpartner kurzfristig ab.

Er hat vermutlich den miesen Wetterbericht studiert und zog es vor, in die Sonne Thailands zu reisen. Enttäuschend, wo doch Wetter und Wind ein Teil dieser Reise sind und ich diese rauen Bedingungen mittlerweile nicht nur akzeptiere, sondern liebe. Als kurzerhand mein alter Freund und Kletterpartner, Charly Fitzer aus Österreich einsprang und zwei Tage vor meiner Abreise einen Flug buchte, jubilierte ich. Ian Parnell half mir erneut im Vorfeld und brachte uns mit lokalen Kletterern in Verbindung. Die größte Herausforderung war es, gerade, weil das Wetter so schlecht war, sich selbst zu überwinden und in dunkler Nacht, bei Sturm und Regen, dennoch den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Oft fiel es uns schwer, aus dem warmen und gemütlichen „Big Tree Campervan“ auszusteigen. Doch das ist Teil des Spiels! Und ein gute Möglichkeit seinen Willen zu beweisen. Wer in Schottland auf besseres Wetter wartet, hat bereits verloren.

Foto: Hans Hornberger

Tag 1 Sturm. Null Sicht - wir konnten nicht einmal die Wand “Coire an Lochain” in den Cairngorms finden, so stark regnete es.

Tag 2 „Warmklettern“ mit den Locals - Peter Macpherson und ich kletterten “Daddy longlegs” VIII, 9 onsight, während Charly und Greg Boswell “The Ventricle” VII, 8 gelang.

Tag 3 Ben Nevis - Unerwartet, großartig: Strahlender Sonnenschein während unseres dreistündigen Zustiegs zum Ben Nevis. Wir kletterten einen stark überhängenden schmalen Riss und konnten mehr oder weniger gute Sicherungen im vereisten Riss legen. Nach einem weiten Sturz im Vorstieg gab ich anschließend Charly die Chance, es zu probieren. Ihm gelang „To those who wait“ rotpunkt und er juchzte am Gipfel, während ich nachkletterte. Der 20 jährige Schotte Greg Boswell beging die Route ein paar Wochen zuvor als erster. Er hatte uns motiviert, eine Wiederholung zu versuchen. Ein weiterer Versuch von meiner Seite ließ das Wetter nicht zu.
Am Gipfel des Ben Nevis stand – rein zufällig – Dave Macleod.
Wir beschlossen, am nächsten Tag gemeinsam zu klettern. Glücklicherweise besaß Dave einen magischen Schlüssel zu einer Schranke auf dem Weg zum Berg. Das verkürzte den Zustieg und optimierte unsere Pläne.

Tag 4 „Triple X“ Ben Nevis - Mit Dave eröffneten wir an der Echo Wall eine neue Route, welche in einem großen Kamin endet, der von den Kletterern Ian Parnell und Iian Small 2010 erstbegangen wurde. Wir nannten unsere Route “Triple X”, weil wir als Dreierteam kletterten und die Route drei lange Seillängen hat.

Ines, Charly und Dave am Gipfel des Ben Nevis
Foto: Hans Hornberger

Tag 6 „Bavarinthia“ - Mein persönliches Highlight der Reise war eine neue Route, die wir in den Cairngorms kletterten. Begleitet wurden wir von unseren Freunden Neil and Simon, welche die Route „Falling out corner“ kletterten, während Charly und ich uns in „Savit Slit“ aufwärmten. Anschließend stieg ich in eine neue Linie ein. Während ich trotz Kälte vor Angst schwitze und versuchte eine verdammte Sicherung in einen schmalen, vermoosten Riss unterzubringen, stürzte Neil 12 Meter weit links neben mir, blieb aber Gott sei Dank unverletzt.

Weiter oben verlor mein Eisgerät den Halt und meine Füße rutschten weg. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Mit letzter Kraft zog ich mich an einem Eisgerät wieder in Position und kletterte weiter übers letzte Dach. Nach 30 Metern (on sight) rief ich erleichtert: „Stand!“ Eine weitere Kaminlänge brachte uns zum stürmischen Ausstieg. Wir gaben unserer neuen Route den Namen Bavarinthia” IX, 9, weil ich aus Bayern komme und Charly ein Kärntner ist.

Wir sind eine fantastische Route mit wenigen Sicherungsmöglichkeiten geklettert. Ein echtes Abenteuer! Meine „Scottish Wings“ habe ich mir wirklich verdient.

Ein’s noch: Wir Alpin-Kletterer sollten die Bohrhakenfrage noch einmal überdenken. Routen einzubohren, macht oft Sinn, aber eben nicht immer. Mir ist es ein Anliegen, dass wir Kletterer der Alpen uns am Stil der Schotten immer wieder neu orientieren und alpine Routen möglichst im traditionellen Stil erstbegehen. Das heißt für mich: von unten einsteigen und sparsam mit Bohrhaken umgehen! Das sind wir doch den nächsten Generationen schuldig, die das Abenteuer in den europäischen Alpen suchen.

Meine Erlebnisse in Schottland haben meine Einstellung zum Klettern im bohrhakenfreien Stil nachhaltig beeinflusst.

Ein besonderer Dank: Ohne die Unterstützung der lokalen Kletterszene hätten wir nicht die vielen Routen klettern können. Unser Dank gilt besonders: Ian Panell, Simon and Sarah Yearsley, Greg Boswell, Dave MacLeod, Pete Macpherson, Michael Tweedley.

Fakten

  • 26.01.2011 “Daddy Longlegs” VIII, 9 on-sight, Cairngorms, Coire an Lochain
  • 27.01.2011 “To those who wait” IX, 9, Ben Nevis: erste Wiederholung Charly Fritzer rotpunkt (f.a. Greg Boswell & Will Sim 31/12/2010)
  • 28.01.2011 “Triple X” VIII, 8, Ben Nevis: Erstbegehung on-sight (Ines Papert, Charly Fritzer & Dave MacLeod)
  • 29.01.2011 “The demon direct” IX, 9 “Happy Tyroleans” IX/10 on-sight, Cairngorms
  • 31.01.2011 “Savage Slit” V, 6 und Erstbegehung “Bavarinthia” IX, 9 on- sight, Cairngorms, Coire an Lochain: (Ines Papert & Charly Fritzer 31/01/2011)

Geschichten aus Eis & Fels