Ines Papert

Indian Creek Roadtrip

Rissklettern erfordert eine große portion Schmerzbereitschaft aber wenn man einmal herausfindet, wie es funktioniert ist es fantastisch.

Dies sollte meine erste Begegnung mit dem Risskletterparadies Indian Creek sein und zeitgleich wurde es traurigerweise meine letzte gemeinsame Reise mit Hari Berger.

Keith Ladzinski
Foto: Keith Ladzinski

INDIAN CREEK ist ein wahres Paradies. Will man das Rissklettern lernen, muss man einfach dort hin. Der rote Sandstein ist von der Reibung her ideal, um sich dem traditionellen Klettern anzunähern.

Foto: Archiv Ines Papert

Der Trip nach Utah war für mich eine Mischung aus Reise, Urlaub mit meinem Sohn und dem Sport, den ich so sehr liebe, dem Klettern. Meine erste große Unternehmung gemeinsam mit Manu, der damals fünf Jahre alt war. Meine letzte große Reise mit Hari Berger. Hari kannte ich bestens aus der Wettkampfzeit. Wir hatten ein sehr enges, freundschaftliches Verhältnis und beschlossen, nach einem gemeinsamen Norwegenaufenthalt im Winter auch im Sommer gemeinsam aufzubrechen.

Hari mit Andres Marin.
Foto: Keith Ladzinski

Sechs Wochen wildes Campen, völlig ab vom Schuss, dabei Klettern, bis die Finger bluten – was war das nur für eine traumhafte Zeit, Hari!

Hari war die reinste Motivationsmaschine. Für eine Route wie »Pink Flamingo« konnte er sich quälen wie kein anderer. Da die Bedingungen in den frühen Morgenstunden ideal waren, stand er täglich gegen 5 Uhr auf. Kein Problem für ihn. Für mich schon eher. Zum Glück lernten wir zahlreiche supernette Locals kennen, die uns unterstützten, als Sicherungspartner dienten oder sich, wenn ich beim Klettern war, auch mal liebevoll um Manu kümmerten. Mein Sohn war voll integriert und Teil einer großen, etwas verrückten Familie.

Hari kämpfte hard für die freie Begehung von Pink Flamingo. Den Erfolg hat er sich wohlverdient.
Foto: Keith Ladzinski

Hari trat die Reise mit mir und Manu als eine Art Probelauf für seine eigene Familienplanung an. Er war damals bereits mit Kirsten liiert. Die beiden spielten ernsthaft mit dem Gedanken, eine Familie zu gründen. Und Hari wollte praxisnah testen, ob und wie sich Kinderwunsch und Kletterleidenschaft miteinander verbinden lassen.

Mit Rob Pizem auf Erkundungsfahrt.
Foto: Archiv Ines Papert

Manu liebte Hari, seinen Kumpel. Unsere Zeit in Utah war ausgelassen, sorglos und für Hari ganz offensichtlich überzeugend. Seine Freundin Kirsten wurde kurze Zeit später tatsächlich schwanger. Töchterchen Zoe kam im Dezember 2006, nur einige Stunden nachdem Hari beim Einsturz einer Eishöhle am Hintersee ums Leben gekommen war, auf die Welt.

Hari, Du fehlst mir. Hab Dich in meinem Herzen abgespeichert.
Foto: Keith Ladzinski

Hari, ich weiß, dass du sehr stolz auf deine zwei Mädels, Kirsten und Zoe, bist. Und ich weiß, dass du meine Zeilen wahrnimmst: Du bist ein toller Freund. Wir vermissen dich unendlich . . .

Geschichten aus Eis & Fels