Photo: Archiv Ines Papert

Variante von „Selvaggia Sorte“ Cima Tosa in der Brenta Westwand

Variante von „Selvaggia Sorte“ Cima Tosa in der Brenta Westwand 600m; möglicherweise eine Erstbegehung durch Ines Papert (GER) und Luka Lindič (SLO) am 1.1.2019

Nach einigen wunderbaren Weihnachtsfeiertagen mit Familie und Freunden zu hause in Berchtesgaden, hatten wir uns spontan für eine Erkundungstour in die Brenta Gruppe in den westlichen Dolomiten entscheiden. Wir immer mit ein paar Kalorien zu viel und deutlich zu wenig Bewegung durch die Festtagen wuchs der Wunsch für eine lange Tage in den Bergen. Die Bedingungen im Eis waren vielversprechend und das Wetter zwar windig aber stabil vorhergesagt. Wir konnten uns gut vorstellen, die Neujahrsparty auszulassen und statt dessen in den Alpen zu klettern. Für uns beide war ein Klettertrip in die Brenta eine Premiere und der weite Aufstieg während den dunklen Morgenstunden in unbekanntem Gelände keine Option. Am 30.12. schulterten wir nachmittags unsere Rucksäcke mit Zelt, Ausrüstung und Proviant für 2 Tage. Die kurzen Tage um die Jahreszeit machten einen frühen stop nötig. Schnell war unser kleines Zelt aufgebaut und die Vorfreude, etwas uns unbekanntes zu versuchen, riesengroß.

Am nächsten Morgen mussten wir unseren Plan ändern, die Route Filo d Ambienz (am 15. Dezember 2018 erstbegangen) war unserer Meinung nach nicht mehr kletterbar. Wind und Kälte hatten das Eis ausgetrocknet und de-laminiert. Dies bestätigte sich beim Versuch, die erste Seillänge zu klettern.
Nun war es nahezu zu spät für eine große Wand am letzten Tag des Jahres. Bald war der Entscheid getroffen, die umliegenden Wände zu erkunden und einen guten Plan für den Neujahrstag zu kreieren. Wir waren fasziniert, wie hoch sich die Wände um uns türmten, überall zogen sich bizarre Eislinien über die Schwachstellen.

Und da war sie, die Linie die in Perfektion bis fast zum Gipfel der Cima Tosa mit 3133 m, der zweithöchste Gipfel der Brenta reichte. Eis klebte wie Plastik am Dolomitengestein. Alles was wir wussten, war daß wir an der Westwand der Cima Tosa klettern, doch gelegentliche Begehungsspuren in der Route liessen uns bald annehmen, das es sich um eine bestehende Route handelt.

Doch als wir den direkten Weg über die Eislinie nach oben nahmen, war es vorbei mit den Standplätzen. Dünnes, sehr schwierig abzusicherndes Eis, gerade genug um daran zu klettern, führte uns in direkter Linie zum Ende des steilen Wandteiles. Jede Seillänge hielt eine Überraschung bereit, eine schwierige oder kaum abzusichernde Stelle, die uns forderte. Bald ging die steile Wand in eine Rinne über, der wir bis zum ende folgten. Ein paar hundert Meter höher erreichten wir den Gipfel der Cima Tosa gegen 16 Uhr und hatten gerade noch genügend Licht um den Abstieg (3x abseilen) auf der Südseite ausfindig zu machen. Gegen 19.30 erreichten wir unser kleines Zelt, packten schnell zusammen und im Laufschritt ging es zurück ins Tal, der Pizza entgegen.

Luka meinte zu unserem Glückstreffer: „In Slowenien haben wir eine Redewendung: Was du am ersten Tag des Jahres machst, wirst du das ganze Jahr machen.“
Nun, wir werden sicher nicht täglich in 2019 eine große Wand in den Bergen klettern aber sind zuversichtlich in unserer Vorbereitung für eine geplante Reise in die kanadischen Rocky Mountains im Frühling.

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