Aufgewachsen in der Ebene, heimisch in den Bergen.

Ines Papert wurde am 5. April 1974 in Sachsen in der ehemaligen DDR geboren, weitab der Berge. Ihr Interesse galt in Jugendjahren vor allem der Musik. Das änderte sich, als sie nach der Ausbildung zur Physiotherapeutin 1993 eine Stelle als Krankengymnastin in einer Berchtesgadener Klinik annahm: Die Liebe für die Berge begann mit Wanderungen, Ski- und Biketouren. Schnell wurde das Gelände schwieriger – und aus den entspannten Ausflügen wurden anspruchsvolle Bergtouren. Und bald kam die Leidenschaft fürs Eis dazu, die sich zu Ines‘ Paradedisziplin entwickeln sollte: dem Eisklettern.

Spiel von Formen und Farben, Wahl der eigenen Linie.

Die Materie Eis faszinierte Ines bald vollkommen – das äusserte sich zuerst einmal darin, dass sie sich innerhalb weniger Jahre zur besten Wettkämpferin im Eis entwickelte, viermal Weltmeisterin wurde und dreimal den Gesamt-Weltcup gewann. Aber auch, wie am Ouray-Eiskletterfestival von 2005, die gesamte männliche Konkurrenz deklassierte. Bis heute gilt Ines Papert als die beste Eis- und Mixedkletterin der Welt: In dieser Disziplin setzt sie immer wieder Standards, etwa mit der ersten Frauenbegehung einer M11 und einer M12 oder – 2015 – mit der ersten Wiederholung überhaupt von Ritter der Kokosnuss und der freien Begehung der extremen Trad-Route The Hurting. Solche Erfolge zeigen, warum Ines Papert in ihrer sportlichen Aktivität – obwohl sie stolz darauf ist, dass sie weltweit eine der wenigen Frauen ist, die als Profibergsteigerinnen leben können – nicht nur als Frau wahrgenommen werden möchte: Sie steigt im Eis oft auch den Männern davon …

Unberührte Linien finden, ethische Ansprüche einbringen.

Ines Papert bestimmt die Massstäbe der hohen Schwierigkeitsgrade im Eis- und Mixedklettern seit rund 20 Jahren aktiv mit. Inzwischen sucht sie – nach dem Rücktritt vom Wettkampfsport 2006 – immer wieder nach neuen Linien. Für sie zählt dabei aber nicht nur die reine Schwierigkeit, sondern auch eine ethisch vertretbare Annäherung: Ihre hohen ethischen Ansprüche an ihr Tun versucht sie, in Trad- oder Alpinstil-Begehungen hoher Wände umzusetzen. Diese moralische Messlatte wendet Ines auch in ihrem normalen Alltagsleben an: Sie engagiert sich sozial, hält Benefizveranstaltungen ab für in Not geratene Menschen und hat ein offenes Ohr für die Bedürfnisse, Fragen und Probleme anderer. Vielleicht kommt dieses für sie selbstverständliche Engagement auch aus ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter: Für ihren Sohn Emanuel nimmt sich Mutter Ines viel Zeit; glücklich erzählt sie von gemeinsamen Reisen, Unternehmungen und Ausflügen!

Training und Vorträge, Kochen und Freunde.

Damit Ines unterwegs den Kopf frei hat, auch für mental anspruchsvolle Routen, trainiert sie äusserst hart und konsequent. Der Fokus und die psychische Stärke sind ihr gegeben – und ihre Muskelkraft ist legendär … Doch sie reiht nicht nur Klimmzüge und Liegestützen aneinander: Ebenso wichtig sind ihr der Ausgleich, zu dem das Kochen gehört, gemütliche Stunden mit Freunden bei einem Glas Wein, das Pflegen ihres Netzwerkes. Und genauso ernst nimmt sie ihre Aufgabe als Profisportlerin beim Vermitteln ihrer Erlebnisse und gegenüber ihrer Sponsoren: Sie hat Bücher publiziert und hält viele Vorträge – sowohl vor grossem Publikum im In- und Ausland als auch Business-Referate bei Firmen. Zu ihrem Weg und ihrer angeborenen Neugierde gehört, sich nicht nur in den Bergen, sondern auch daheim am Schreibtisch immer wieder mit Neuem zu befassen. So hat sie erst vor wenigen Jahren mit dem Gleitschirmfliegen begonnen und sich dazu in die Wetterkunde vertieft. Doch ihre grosse Liebe gilt immer noch dem Bergsteigen. Und dabei speziell dem Eis, flüchtig und faszinierend.

Infos zum Foto
Foto: Cory Richards
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